Unternehmertum braucht Leidenschaft - und Vorbereitung

Trotz Covid-19-Lockdown und Krise steigt die Anzahl der Unternehmensgründungen in Österreich stetig. Damit engagierte Gründerinnen und Gründer nicht vor unvorhergesehen Hürden oder Überraschungen stehen lohnt es sich schon vorher über vier wichtige Fragen nachzudenken: Die Umsatzfrage, die Rechtsfrage, die Infrasturkturfrage und die Vereinbarkeitsfrage.

Portrait Elisabeth Zehetner-Piewald  | JW Team

Elisabeth Zehetner-Piewald | JW Team

JW Bundesgeschäftsführerin

23.11.2021

Männer und Frauen arbeiten an Flipchart
© adobestock contrastwerkstatt

Die Selbständigkeit auch durch gute Vorbereitung am Lodern zu halten. Denn nichts ist frustrierender für engagierte Gründerinnen und Gründer, wenn die eigene Geschäftsidee und die eigene Motivation durch unvorhergesehene Hürden und Widrigkeiten auf eine harte Probe gestellt werden. Gerade, wer aus einem Hobby ein Business machen will oder wer sich zunächst einmal nebenberuflich selbständig macht, sollte sich bestmöglich vorbereiten, um keine Überraschungen zu erleben. Folgende vier Fragen sollten geklärt sein.

Die Zahlen sind beeindruckend: Die Neugründungen in Österreich haben im ersten Halbjahr 2021 gegenüber dem Vergleichszeitraum im Jahr 2019 um satte 15,1 Prozent zugenommen. Für viele Menschen in Österreich war und ist die Krise offenbar ein Katalysator, persönlich und beruflich ein neues Kapitel aufzuschlagen. Endlich das zu tun, was einem beruflich wirklich Freude macht. Und sich in der Selbständigkeit endlich selbst zu verwirklichen. Ein klarer Beleg für diese These ist, dass bei den Gründungen des heurigen Jahres Kreativ-Branchen ein überdurchschnittlich starkes Wachstum verzeichneten, wie etwa das Kunsthandwerk.

Was also gibt es Besseres, als aus Leidenschaft Unternehmerin bzw. Unternehmer zu werden? Eigentlich nichts - außer, die Leidenschaft zur Selbständigkeit auch durch gute Vorbereitung am Lodern zu halten. Denn nichts ist frustrierender für engagierte Gründerinnen und Gründer, wenn die eigene Geschäftsidee und die eigene Motivation durch unvorhergesehene Hürden und Widrigkeiten auf eine harte Probe gestellt werden. Gerade, wer aus einem Hobby ein Business machen will oder wer sich zunächst einmal nebenberuflich selbständig macht, sollte sich bestmöglich vorbereiten, um keine Überraschungen zu erleben. Folgende vier Fragen sollten geklärt sein.

Die Umsatzfrage

Wer von seinem vormaligen Hobby beruflich gut leben will, muss sich dessen betriebswirtschaftliche Seite natürlich etwas genauer ansehen. Geht sich das alles wirklich aus? Dabei hilft der Mindestumsatzrechner. Mit dem Mindestumsatzrechner-Tool kann man den unbedingt erforderlichen Umsatz ermitteln, der für die Deckung der privaten Ausgaben, der kommenden Fixkosten und der voraussichtlichen Betriebskosten notwendig ist. Die Online-Mindestumsatzberechnung ist natürlich nur eine grobe Überblicksrechnung: Es geht dabei nicht um die Ermittlung exakter Zahlen, sondern um die gezielte Sensibilisierung für betriebswirtschaftliche Fragen. Das erleichtert einen realistischen Blick auf die finanziellen Herausforderungen – und verhindert unangenehme, demotivierende Überraschungen, die den Erfolg der Gründung in Frage stellen könnten. 

Die Rechtsfrage

Wer im Nebenberuf in die Selbständigkeit durchstartet, sollte einige rechtliche Themen checken. Wichtig ist etwa abzuklären, ob die eigene Wohnung überhaupt als Gewerbestandort laut Mietvertrag zulässig ist: Gerade Selbstständige, die zum Arbeiten keine gesonderten Räumlichkeiten benötigen oder in der Startphase bewusst auf das Homeoffice setzen, sollten in dieser Frage auf Nummer sicher gehen. Ein weiteres Thema für nebenberufliche Gründerinnen und Gründer: Wer insbesondere als Ein-Personen-Unternehmen von Zuhause gründet, hat zumindest in der Startphase auch Einkünfte aus unselbständiger Tätigkeit. Hier sollte man unbedingt prüfen, ob nach dem bestehenden Dienstvertrag eine Nebenbeschäftigung überhaupt zulässig ist, ob eine Zustimmung des Dienstgebers erforderlich ist oder ob lediglich eine Meldepflicht besteht. 

Die Infrastrukturfrage

Wer daheim gründet, sollte sich natürlich die Einrichtungs- und Infrastrukturthematik genau überlegen. Welche Anforderungen stellt die Tätigkeit wirklich? Muss man für Videokonferenzen absolut ungestört sein, wird man Kunden im Homeoffice begrüßen, welche technische Geräte sind nötig? Aber auch die Ergonomie der Möbel sollte man mit Blick auf die eigene Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Anfang an beachten. Wichtig ist beim Office daheim natürlich auch die steuerliche Komponente: Laut aktueller Rechtslage ist ein Arbeitszimmer zu Hause nur unter der Voraussetzung steuerlich absetzbar, wenn es ein abgeschlossener Raum ist (Das ist der Jungen Wirtschaft schon länger ein Dorn im Auge. Sie setzt sich dafür ein, dass der Arbeitsplatz im Wohnungsverband pauschal abgesetzt werden kann. Der Ministerrat hat die leichtere Absetzbarkeit des Arbeitsplatzes im Wohnungsverband schon beschlossen, jetzt fehlt noch der Beschluss im Nationalrat.).

Die Vereinbarkeitsfrage

Wer mit Kind(ern) lebt, dem sollte natürlich auch klar sein: Es fällt eher in die Kategorie Märchen, dass Homeoffice mit Kindern daheim problemlos möglich ist. Auch das Office daheim ist ein Office. Daher ist es sehr wichtig, dass die Kinder gut betreut sind - auch und gerade, wenn man von daheim aus arbeitet. Gute Planung und Zeitstruktur - wann ist fokussierte Arbeitszeit, wann ist Freizeit? - sind im Homeoffice immer wichtig. Wenn Arbeits- und Lebenswelt eng miteinander verwoben sind, gilt es, sich bewusst auch Auszeiten von der Selbständigkeit zu schaffen, um wieder mehr Power fürs eigene Unternehmen zu haben. 

Denn die ist besonders wichtig, wenn man den Weg in die Selbständigkeit weiterhin mit voller Leidenschaft gehen will.  

Viele hilfreiche und wertvolle Informationen und Tipps rund um das Thema Gründung und Selbstständigkeit finden man unter: www.gruenderservice.at

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