Begeisternd sprechen? Klar kannst du das!

In meiner Wunschrealität ist Kommunikation schon längst das beliebteste Unterrichtsfach in der Schule und niemand hat mehr Angst, vor anderen zu sprechen. Zum Glück müssen wir nicht auf diesen Traum warten, sondern können gleich hier und heute starten (das reimt sich – und was sich reimt, ist gut).

Portrait Sabine Sobotka | Gastautorin

Sabine Sobotka | Gastautorin

Slam Poetin, Dozentin, Expertin für begeisternde Kommunikation

8.3.2022

Sabine Sobotka
© Helmut Prochart

Modelle, Methoden, Profis und Studien rund um Kommunikation gibt´s wie Sand am Meer. Doch anstatt mich auf diese zu verlassen, habe ich mir in meiner Arbeit jahrelang ein eigenes Bild gemacht. Ergebnis: Ungeachtet von Alter, Vorerfahrung und Charaktertyp teilen wir sehr ähnliche Grundängste, die sich oftmals in Situationen zeigen, wo es um Sprechen vor Menschen geht. Und dagegen helfen leider weder Rhetoriktraining noch Storytelling.

Vergiss alles, was du glaubst.

Ja, Kommunikation lässt sich hochstilisieren und zur Kunst erheben – als Sprachkünstlerin kann ich ja gar nichts anderes behaupten. Nur … was haben wir davon, aus wirkungsvollem Sprechen eine Raketenwissenschaft zu machen? Was bringt uns die Ansicht, dass „so etwas“ nur wenige Auserwählte, Naturtalente und Personen mit viel Budget für teure Weiterbildung beherrschen? Genau: Frust, Minderwertigkeitsgefühle und schlechte Laune.

Hand aufs Herz:

  • Denkst du, dass man dafür geboren sein muss, so zu sprechen, dass Menschen einem an den Lippen hängen?
  • Ist es eindeutig ein schlechtes Zeichen, wenn dir bereits der Gedanke an öffentliches Sprechen Angst macht?
  • Glaubst du, du müsstest die gesamte Situation inklusive aller Beteiligten im Griff haben, damit dein Vortrag erfolgreich wird?

Hier kommen die Antworten: Nein, nein und nochmal nein.
Vergiss diese oder ähnliche Mythen, die nützen dir genau null.
Lass uns das Thema stattdessen einmal anders betrachten.

Energiequelle Angst

Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen: Wir wünschen uns Lob und Anerkennung. Darum strengen wir uns an und möchten uns beweisen. Je wichtiger uns etwas ist, desto mehr wollen wir ein Scheitern vermeiden. Und genau das erzeugt massiven inneren Druck und überdimensionierten Ängste, die uns oftmals davon abhalten, auch nur einen Versuch zu wagen.

Moment, Sabine, ist das jetzt ein Psychologieseminar? Nein, und tiefer will ich hier gar nicht einsteigen. Es reicht zu erkennen: Wenn uns etwas Angst macht, heißt das, dass wir im Begriff sind, unsere Komfortzone zu verlassen – und genau dieser Zustand führt dazu, dass wir über uns hinauswachsen können*. Wie schaffen wir das? Indem wir unsere Ausrüstung kennen und nutzen.
*Wichtig: Ich spreche in diesem Artikel nicht von chronischen, behandlungsbedürftigen Ängsten, sondern von solchen, die bestimmte Alltagssituationen etwas schwieriger als nötig machen.

Mach dich auf Entdeckungstour

Wie, was, Ausrüstung? Hilfe, ich hab doch keine!
Stimmt nicht: Du hast eine Stimme, einen Kopf, einen Körper und ein Gehirn. Das ist deine Ausrüstung und die kannst du stets kostenfrei nutzen.

Statt zu fragen, wie Kommunikation funktioniert, gilt es zu entdecken, wie DU funktionierst:

  • Wie klingt deine Stimme, wenn du fröhlich und unbeschwert bist?
  • Und wie fühlt sie sich an, wenn du angespannt und nervös bist?
  • Erlaubst du dir, deinen Körper „mitsprechen“ zu lassen – und wenn nein, warum nicht?

Hat dir einmal jemand erklärt, dass mit deiner Stimme, deiner Haltung, deiner Wirkung usw. irgendetwas nicht stimmt – ohne dich zu motivieren, in aller Ruhe damit zu experimentieren? Falls ja: Solche Personen brauchst du nicht ernst zu nehmen.

Kein Baby kann, geschweige denn muss nach dem zweiten Gehversuch perfekt laufen. Und ebenso wenig kann dich ein Tagesseminar, ein Wochenendkurs oder ein Bootcamp zum „Next Public Speaking Star“ machen. Zumindest nicht innerlich – also da, wo die echte Ausstrahlung herkommt.

Widme dich der Freude

Andere zu begeistern klappt nur, wenn du selbst begeistert bist. Falls du da schon schummeln musst, ist er programmiert, der Frust (ja, dieser Reim war Absicht und klar hätte ich ihn mir sparen können aus Angst, dass „so etwas“ unprofessionell wirkt – hab ich aber nicht, weil´s mich zum Grinsen bringt, ha!).

Hast du schon einmal versucht, zur selben Zeit Angst und Freude zu empfinden? Nein? Dann probier´s mal. Ja, jetzt, das ist mein voller Ernst, los ... und, hat´s funktioniert? Nein? Großartig! Das heißt also, du kannst jederzeit für dich entscheiden, ob du dem inneren Gedanken- und Gefühlspfad von Freude oder Angst/Frust etc. du folgen willst.

Egal, wie gelangweilt oder angespannt die Stimmung im Saal oder beim Meeting ist, du kannst jederzeit deinen persönlichen Zustand anheben. Wie? Indem du zum Beispiel eine innere Liste anlegst mit mindestens fünf Gedanken oder Bildern, die dich sofort happy machen. Rufe sie ab, wenn du sie brauchst und deine Ausstrahlung verändert sich schlagartig.

Stelle Fragen, die dich weiterbringen

Jetzt redet sie ständig von Ausstrahlung und Freude, dabei sollte es doch um Kommunikation gehen und darum, wie man Menschen begeistert, oder? Richtig. Beides gehört untrennbar zusammen und beginnt im Kopf. Wie du über dich, das Thema und dein Gegenüber denkst, beeinflusst deine Haltung, deine Stimme und deine Wirkung. Fokussiere dich also auf Dinge, die du konkret beeinflussen kannst:

  • Wie möchte ich mich fühlen, während ich spreche?
  • Welchen Nutzen möchte ich für mein Gegenüber/Publikum stiften?
  • Wie müsste ich sprechen, schauen und sitzen/stehen, damit ich mir selbst begeistert zuhöre?

Ein Spezial-Tipp, wenn du keine Ahnung hast, wie das, was du sagst und tust, auf andere wirkt: Frage liebe Menschen. Bitte um ehrliche, konstruktive Antworten. Kaum etwas wird dir mehr die Augen öffnen als ein neugieriger Abgleich zwischen Selbst- und Fremdbild.

1001 oder noch mehr Möglichkeiten

Okay, aber wie setze ich jetzt meine Stimme richtig ein und wie wirke ich souveräner und wie kann ich packende Geschichten erzählen und langweilige Themen spannender machen und … ich sehe schon, du bist motiviert! :-)

Trotzdem: Nimm dir erstmal Zeit, dich selbst kennenzulernen – da gibt es so viel zu entdecken! Du kannst zum Beispiel gleich heute damit anfangen, in der Freizeit mit deiner Stimme zu experimentieren. Wenn du Kinder hast, lass sie mitmachen, das ist lustig!

  • Sprich einmal wütend, wenn du´s gar nicht bist oder vergnügt, obwohl du keine Lust hast.
  • Rede höher bzw. tiefer und langsamer bzw. schneller als sonst.
  • Forme Worte so deutlich, dass man sie von deinen Lippen ablesen könnte.
  • Schieße imaginäre Begeisterungsblitze aus deinen Augen.
  • Übe, an wichtigen Stellen deiner Erzählung ganz bewusst Pausen zu setzen, Blickkontakt herzustellen und geheimnisvoll zu schauen.
  • Gönne dir tiefere Atemzüge und schau, wie das deine Stimme verändert.

Was das alles bringen soll? Erkenntnisse durch Komfortzonenerweiterung im selbst gewählten Tempo. Dein Selbstbewusstsein wird jeden Tag ein bisschen mehr wachsen.

Und das Wichtigste zum Schluss: Lobe dich für deinen Mut. Gib dir ein High Five vorm Spiegel, bevor du zu anderen sprichst und male dir das beste Ergebnis aus, bevor du loslegst. Gerne mit verschmitztem Blick und vorfreudigem Grinsen. Ja, du darfst das.

Je mehr Freude, desto weniger Angst. Das reimt sich zwar nicht, ist aber trotzdem gut ;-)

Zur Gastautorin

Als Slam Poetin hat Sabine Sobotka überraschend die Liebe zur Bühne entdeckt. Ihr Wissen über authentische Vortragspräsenz und begeisterndes Sprechen teilt sie in Workshops, Vorträgen, Webinaren sowie persönlichen Trainings. Vor ihrer Selbstständigkeit als Trainerin, Hochschuldozentin, Künstlerin und Autorin war sie als Pädagogin sowie in Marketingabteilungen internationaler Agenturen und Konzerne tätig.

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